5 Tipps, mit denen Ihr keine Tipps mehr zum Netzwerken braucht

Wir alle haben Beziehungen. Und derer sogar viele, wobei das jetzt nicht unmoralisch klingen soll. Ohne Beziehungen wäre das Leben schließlich ziemlich einsam und schaden tun sie eigentlich nur dann, wenn sie nicht, oder in schlechter Qualität, vorhanden sind. Denn gute Beziehungen können in jeder Hinsicht Türen öffnen. Zu Dir selbst und zu anderen.

Bleiben wir mal im Bereich der Karriere. Wie kommt man hier an gute Beziehungen, die sich im Idealfall sogar als förderlich erweisen? Diesem Geheimnis versuchen unzählige Regalmeter an Ratgebern auf den Grund zu gehen. Da findet man in der Buchhandlung nun Titel wie „Erfolgreich Netzwerken!“ von einer Frau Piarry. Im Untertitel wirbt sie damit, es sei nun „Schluss mit Kundenjagd, Wettbewerbsangst & Co.“. Wer seine Skills in puncto Netzwerk lieber live optimieren möchte, kann selbstverständlich auch ein reges Angebot an Seminaren und Workshops nutzen. Aber braucht man das wirklich? Und worauf kommt es im Kern an? Und zuletzt: Kann man Netzwerken überhaupt lernen?

Die gute Nachricht lautet: Ja, man kann! Folgende 5 Tipps und Anregungen sind die ersten Schritte zum Netzwerkprofi!

1. Kein Ziel bestimmen!

Entgegen herrschender Meinung ist es völlig sinnbefreit, sich im Vorfeld einer Veranstaltung damit zu beschäftigen, was man sich von den potentiellen Kontakten erwartet und was durch die neuen Bekanntschaften erreicht werden soll. Immer wieder liest man Sätze wie: „Nur wer seine Ziele definiert, behält den Blick für das Wesentliche und kann das auch anderen vermitteln.“ (http://karrierebibel.de/netzwerken-richtig-lernen/). Aber mal ehrlich: Ist es nicht unfassbar unsymphatisch wenn jemand nur mit Dir sprechen möchte, weil er sich durch Dich einen Vorteil erhofft? Und: Würde diese Person auch mit Dir sprechen, wenn Du nicht bei Unternehmen X angestellt wärst und einen guten Kontakt zur Geschäftsführung hättest?

Aus eigener Erfahrung gilt die Faustregel: Je unbedarfter ich auf ein Event gegangen bin, desto spannendere Menschen habe ich kennengelernt. Hätte ich mich nur auf ein oder zwei Personen fixiert, hätte ich den Fokus vorab zu eng gestellt und alle anderen Menschen um mich herum sofort als nicht zielführend abgetan. Bei fast jeder Veranstaltung gibt es ein paar Stargäste (meistens solche, die schon ganz weit oben sind), mit denen alle sprechen möchten. Ist es da nicht viel schöner, sich diesem Gedränge und dem damit verbundenen Wettbewerb und Stress zu entziehen und für all die anderen Menschen im Raum offen zu sein?

2. Masse ist klasse! (und nicht vice versa!)

„Ein Netzwerk ist nur so wertvoll wie seine Mitglieder.“ Ein Satz, der sitzt. Laut dieser Regel dürfte man sich nie mit Menschen „unter Stand“ vernetzen. Dies sind qua Defintion meist diejenigen, die sich gerade auf den Weg nach oben machen. Die juniorige Marketing Managerin zum Beispiel oder der ambitionierte Trainee. Macht das Sinn? Meiner Meinung nach nicht. Denn es kann ja sein, dass eben diese juniorige Direkteinsteigerin im Marketing:

  1. ziemlich cool ist,
  2. eine Freundin hat, die gerade eine Praktikumstelle sucht (für die man wiederum seit Wochen nicht die richtigen Bewerbung sichtet) und
  3. die Leiter nach oben in doppelter Geschwindigkeit erklimmt und Dich überholt.

Wenn Du genau eben dieser Person von Anfang an ehrlich und auf Augenhöhe begegnest, kannst Du Dir sicher sein, dass sie Dir das nie vergessen wird.

Natürlich macht es durchaus Sinn, auch ‚very valuable’ Kontakte zu haben. Solche, die eine Entscheidung auf Geschäftsführerebene beschleunigen und das eigene Standing verbessern. Aber: Je mehr Menschen man kennt, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass sich in dieser Masse viele unterschiedliche Personen tummeln. Dementsprechend ist an der Tatsache, viele Menschen zu kennen, nichts auszusetzen. Wenn Du ein Thema hast, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, eine solide Antwort zu bekommen, doch nur durch die Bedingung, dass Du viele Leute fragen kannst, oder?

3. Du kannst das!

Du scheinst gerade ja über den Tellerrand zu blicken, sonst würdest Du Dir nicht die Zeit für diese Zeilen nehmen. Und zusätzlich scheinst Du Dich mit spannenden Themen zu beschäftigen (sonst würdest Du das sicherlich auch nicht lesen;)). Das ist völlig ausreichend, um zum Netzwerkprofi par excellence zu werden! Stimmt nicht? Du bist schließlich schüchtern und eher introvertiert? Trotzdem!

Wir sind doch alle völlig verrückt. Irritiert durch all die Regeln und möglichen Stolperfallen, die angeblich existieren: Wann soll wer wem die Türe öffnen? Wie übergebe ich eine Visitenkarte korrekt? Wie soll ich im Meeting richtig sitzen? Wer schenkt wem den Kaffee nach? Und darf ich im Hochsommer einen Rock ohne Strumpfhose tragen?

Ich ertappe mich leider selbst viel zu häufig dabei, über eine dieser Knigge-Fallen stolpern zu wollen. Meist nur im Kopf, doch reicht schon das völlig aus, um mich innerhalb von Sekunden unauthentisch und unsicher werden zu lassen.

Mein Tipp für Dich: Schalte Deinen Kopf aus! Überlege Dir keine 10 Einstiegsfragen für die Netzwerkveranstaltung, sondern bleib einfach bei Dir. Bleib Du selbst. Beschäftige Dich bei akuter Unsicherheit mit einer Challenge: Stell Dir vor, Du bist neu in eine Stadt gezogen, kennst niemanden und brauchst dringend Menschen, mit denen Du Dich austauschen kannst. Lass mal den ganzen Business-Schnack weg. Und dann zieh los und sprich Leute an, ganz einfach. Vergiss all die staubigen Regeln und sprich mit Menschen. Das tust Du doch jeden Tag, warum nicht also auch jetzt? Wenn Du das einmal gemacht hast, hast Du Dir einen Drink verdient. Und bei der nächsten Veranstaltung weißt Du, dass Du es kannst. Ob die Gespräche dann spannend sind, ist ein anderes Thema. Aber: Du kannst es und nur darum geht es!

4. Never ever: Onion and Garlic.

Das ist die einzige, fixe Regel, die es gibt, wenn man sich auf einer Veranstaltung bei einer gewissen Lautstärke unterhalten möchte…

5. Geben und Nehmen ist old school. Denk lieber mit!

Netzwerkregel 70-20-10 nach Mike SansoneSelbstverständlich gibt es auch mannigfache Regeln dafür, wann man jetzt nun guten Gewissens einen Kontakt um einen Gefallen bitten dürfe. Der Social Media Berater Mike Sansone hat dafür sogar eigens eine Formel für erfolgreiches Netzwerken entwickelt, die sogenannte 70-20-10-Regel.

Vergiss das bitte sofort wieder. Wenn Du, wie oben beschrieben, einfach mit der Einstellung losziehst, neue Menschen kennenlernen zu wollen, dann brauchst Du das alles nicht. Warum? Wenn Du beispielsweise weißt, dass Deine beste Freundin eine neue Wohnung sucht, dann rechnest Du doch auch nicht auf, sondern denkst einfach mit und informierst sie, wenn Du etwas hörst. Und darum geht es doch eigentlich: Netzwerken ist nichts anderes, als sich mit Menschen auszutauschen und sich gegenseitig etwas Gutes zu tun. Gemeinsam sind wir stark, das ist doch ganz klar. Wenn Du das verinnerlichst und den neuen Gesichtern in Deinem Leben immer offen und auch ein wenig liebevoll gegenübertrittst, kannst Du gar nichts falsch machen.

6. Zusatzregel

Nenn Dich niemals Netzwerkprofi. Das ist klingt total doof.