Feelgood in der Firma. Eine Einschätzung von Kira Falter.

Kira

Kira ist Anwältin in einer großen Wirtschaftskanzlei und beschäftigt sich ausschließlich mit Arbeitsrecht. Dafür aber mit allen rechtlichen Facetten, die der Arbeitsalltag so hergibt. Heute: Wohlfühloase Arbeitsplatz?!

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich gehe grundsätzlich jeden Morgen gerne ins Büro. Dies liegt – neben der natürlich spannenden Inhalte meiner Arbeit – vor allem an meinen Kollegen und dem Arbeitsumfeld, in dem ich gerne tätig werde. Neben Kaffee aus dem Vollautomaten, Säften, Wasser und Co. gibt es bei uns auch regelmäßig interessante (Fortbildungs-)Veranstaltungen für die Mitarbeiter, die immer in tollen Städten stattfinden und ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm bieten.

Unter der Woche stellt der Arbeitsplatz nicht selten den Mittelpunkt unserer Lebensgestaltung dar. Wer wünscht sich da nicht, dass der Arbeitsplatz möglichst viele Annehmlichkeiten mit sich bringt; ja, zwischenzeitlich sogar zur Wohlfühloase wird?! Zur stetigen Motivation der Mitarbeiter und Steigerung der Arbeitsqualität setzen daher immer mehr Arbeitgeber auf verschiedene Incentives am Arbeitsplatz.

Feelgood-Management

Das sog. Feelgood-Management ist Teil einer neuen Firmenkultur, die nicht mehr nur in der Gründerszene und der IT-Welt Anklang findet. Laut Medienberichten haben mittlerweile auch andere Arbeitgeber die Vorteile dieser Art der Mitarbeitermotivation für sich entdeckt. Die Inhalte und Möglichkeiten sind dabei so frei und vielschichtig, wie es der Name vermuten lässt. Immerhin das Ziel ist allen gemein: die Förderung des Arbeitsklimas, die Schaffung eines Teamgeists und die Steigerung der Zufriedenheit der Mitarbeiter. Bekanntermaßen geht hiermit auch die Steigerung der Effizienz und Produktivität der Arbeitsleistung einher. Eine Win-win-Situation!?

Nicht mehr wegzudenken!

Einmal etabliert, ist das montägliche Frühstück mit dem Team auf Kosten des Arbeitgebers nicht mehr wegzudenken. Auch auf den gemeinsamen Yoga-Kurs am Mittwochnachmittag oder den Sonderbonus für frisch gebackene Eltern möchte niemand mehr verzichten.  Wann aber habe ich einen Anspruch auf solche Leistungen? Zunächst kann sich ein solcher Anspruch natürlich aus dem Arbeitsvertrag, einer Betriebsvereinbarung oder einem einschlägigen Tarifvertrag ergeben. Selbst wenn keine ausdrückliche Vereinbarung getroffen wurde, kann der Arbeitgeber unter Umständen aber an sein sich wiederholendes Verhalten gebunden sein; grundsätzlich gilt: Hat der Arbeitgeber die konkrete Leistung über einen längeren Zeitraum regelmäßig gewährt und nicht unter einen sog. Freiwilligkeitsvorbehalt gestellt, kann ein Fall der betrieblichen Übung vorliegen. Dann hat der Mitarbeiter auch in Zukunft einen Anspruch auf Gewährung der Sonderleistungen. Dies gilt natürlich nicht für von den Mitarbeitern selbst organisierte und finanzierte Aktivitäten, die lediglich im Rahmen der flexiblen Arbeitszeit gemeinschaftlich abgehalten werden. Wohl aber kann der Arbeitgeber sich in diesem Kontext verpflichtet haben, z.B. bestimmte Räume zur Verfügung zu stellen. Im Ergebnis gilt an dieser Stelle aber – wie so oft – die verbreitete Einschätzung vieler Anwälte zu vielen Themen: „Es kommt darauf an!“

Mit oder ohne Feelgood-Management und Anspruch auf Sonderleistungen, mit den Kollegen und dem Chef ist es nahezu wie mit der Familie. In Köln würde man sagen: „Et kütt, wie et kütt“, heißt: es kommt, wie es kommt bzw. man muss nehmen, was man kriegen kann. In den meisten Fällen eine bunte Mischung, die – wie nahezu alles im Leben – Vor- und Nachteile hat.

Was tun, wenn es schief läuft?

Das Gegenteil des Arbeitsplatzes als Oase des Wohlfühlens dürfte für Arbeitnehmer ein Mobbing am Arbeitsplatz sein. Nach der 2002 veröffentlichen Repräsentativ-Studie für die BRD (Mobbing-Report) kommen über 11% der Erwerbstätigen in ihrem Arbeitsleben mit Mobbing in Berührung. Mobbing kann in den verschiedensten Formen, durch Einzelpersonen oder Gruppen auftreten. Eins haben diese aber gemein: Betroffene können und sollten sich dagegen wehren, auch und insbesondere am Arbeitsplatz. Sie sollten sich in jedem Fall jemandem anvertrauen. Dabei sollte der Vorgesetzte (sofern er nicht am Mobbing beteiligt ist) erster Ansprechpartner sein. Unabhängig davon besteht ein gesetzlicher Anspruch darauf, dass der Arbeitgeber angemessene Maßnahmen zur Beseitigung des Mobbingverhaltens trifft. Dies kann im Extremfall bis zur Kündigung des Mobbenden führen. Bleibt der Arbeitgeber untätig, obwohl ein Eingreifen erforderlich und angemessen wäre, kann sich hieraus ein Schadenersatzanspruch ergeben. Bevor Arbeitnehmer einen solchen Schritt einleiten, sollte jedoch das Gespräch zum Vorgesetzten und gemeinsam mit diesem nach einer Lösung gesucht werden.