Im Interview: Kathrin Gisdon, Projektmanagerin Innovative Antriebe

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Kathrin Gisdon ist eine typische Quereinsteigerin. Die studierte Geisteswissenschaftlerin fand über Volontariate und erste Arbeitserfahrungen in der Unternehmenskommunikation und im Marketing den Weg in das Projekt-management bei hySOLUTIONS, wo sie sich regional und international für Brennstoffzellen und Elektromobilität einsetzt. Unsere Kooperationspartnerinnen von Work in Process besuchten sie in ihrem Hamburger Büro.

Hysolutions

08:30 Kathrin Gisdon ist eine halbe Stunde mit den „Öffis“ unterwegs zum hySOLUTIONS-Büro in der Hamburger Innenstadt. 

09:00 Im Büro angekommen, beginnt ihr Tag immer gleich: Zunächst bereitet sie sich eine Kanne Tee und eine Wärmeflasche zu, die ihr gut durch den Tag helfen. „Die Wärmeflasche liegt immer auf meinem Schoß oder an meinem Rücken, ohne kann und will ich nicht,“ erzählt sie. Doch bevor sie sich an ihren Schreibtisch setzt, begrüßt sie die zehn Kollegen im Büro und lässt sich kurz auf den aktuellen Stand der Dinge bringen. Jeder betreut eigene Projekte und Kathrins Anliegen ist es, überall den Durchblick zu behalten, einerseits um gegebenenfalls Unterstützung leisten zu können, andererseits um den Stand nach außen kommunizieren zu können.

10:00 Heute steht ein Meeting mit dem gesamten Team an, das zweimal wöchentlich abgehalten wird. Dort berichtet ebenfalls jeder den Stand seines Projekts bei einer Tasse Kaffee.

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10:30 Kathrin sitzt nun an ihrem Schreibtisch und beginnt, ihre To-Do-Liste abzuarbeiten, die sie am Vorabend geschrieben hat und die im Meeting um einige Punkte länger wurde. Zunächst steht ein sechsseitiger Zwischenbericht an, den sie alle sechs Monate bei den Zuwendungsgebern abliefern muss. In diesem Fall schreibt sie ihn für das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI). Sie berichtet vom Hamburger Projekt e-Quartier ,ein Projekt, das Elektromobilität und Carsharing systematisch in Wohnquartiere integrieren will und die Akzeptanz des Mobilitätsangebots bei den Quartiersbewohnern erforscht.

12:00 Mittags ist die Hälfte des Berichts fertig. Nun ist erst einmal Zeit für die Mittagspause mit Kollegen. Sie nutzen eines der Mittagstischangebote der Umgebung, heute gehen sie zum Italiener.

12:30 Nach dem Essen ist es Zeit, eine Veranstaltung vorzubereiten, die im Mai stattfinden soll. Dafür beantwortet Kathrin Mails, führt Telefonate, vergleicht Angebote für Catering und Räume und bereitet Einladungen vor.kathrin_05

13:30 Im Meetingraum führt Kathrin anschließend eine Telefonkonferenz. Thema ist ein EU-

Förderprojekt, das den Einsatz von Brennstoffzellenfahrzeugen in Europa fördern und das entsprechende Tankstellennetz ausbauen soll. An diesem Projekt  wirken 38 europäische Partner mit, Kathrin betreut hierfür die Öffentlichkeitsarbeit. Sie setzte die Website auf und aktualisiert sie regelmäßig, erstellt Material in englischer Sprache und organisiert Netzwerk-Veranstaltungen. Das Projekt ist vor Kurzem gestartet und wird sechs Jahre lang laufen. Alle sechs Wochen erläutert Kathrin in einer solchen Telefonkonferenz den aktuellen Stand der Kommunikationsarbeiten gegenüber den Projektpartnern.

Brennstoffzellen14:30 Danach arbeitet sie die Konferenz nach, formuliert Notizen aus und fügt Neues auf ihrer To-Do-Liste hinzu.

15:00 Nun wendet sie sich wieder dem Projekt E-Quartier zu. Kathrin formuliert eine pressefähige Projektbeschreibung und befüllt die Website mit Fotos der letzten Veranstaltung.

16:00 Zeit für eine etwas zahlenlastigere Tätigkeit: Budgetplanung und Controlling ihrer Projekte steht an. Da ihre Arbeitsstunden Projekten zugeordnet werden, muss sie gut Buch darüber führen, wann sie für welches Projekt gearbeitet hat. Quartalsweise muss sie darüber Rechenschaft ablegen. Dazu gehört auch die Abrechnung der Reisekosten. Alle paar Wochen macht sie sich so wie heute dafür Notizen, um den Überblick zu behalten.

kathrin_0817:00 Kathrin bereitet eine Power-Point-Präsentation vor, mit der sie die Arbeit von hySOLUTIONS auf Veranstaltungen präsentieren kann. Dort erläutert sie alle Elektromobilitäts-projekte, Kommunikations-aktivitäten und Ziele.

18:00 Um sechs ist Feierabend. Kathrin fährt mit der U-Bahn wieder nach Hause und schaut dort zum Abschalten gern Serien.

 

Kathrin Gisdon, Projektmanagerin Innovative Antriebe

Eigentlich wollte sie Journalistin werden, doch nach dem Studium der Anglistik, Politik und Psychologie kam die Augsburgerin Kathrin Gisdon zunächst bei IBM in der Unternehmenskommunikation und im Marketing unter. Ihr Interesse an technischen Themen wuchs, und so fand sie in der kleinen Hamburger Gesellschaft für innovative Antriebe ein neues Aufgabengebiet, welches sie begeistert: zukunftsfähige Fahrzeugantriebe wie Elektromotoren oder Brennstoffzellen. Bei hySOLUTIONS ist sie nun seit viereinhalb Jahren als Projektleiterin und in der Öffentlichkeitsarbeit tätig und kann sich jeden Tag wieder dafür begeistern, die Zukunft ein wenig mitzugestalten.

Wie kamst du zu deinem Job?

Eigentlich bin ich von Haus aus Geisteswissenschaftlerin und gelernte PR-Referentin. Über die Unternehmenskommunikation und das Marketing bin ich schließlich im Projektmanagement eines Forschungsinstituts gelandet. Dort bin ich zum ersten Mal in Kontakt mit Forschungsprojekten im Antriebsbereich gekommen – und habe Feuer gefangen. Die nächsten Jahre habe ich mein Herzblut als Projektleiterin in ein intelligentes Konzeptfahrzeug gesteckt und seitdem hat mich die nachhaltige Mobilität nicht mehr losgelassen. In Hamburg arbeite ich heute bei hySOLUTIONS, einer Projektgesellschaft für Mobilitätsthemen, in einem sehr politischen Umfeld, in dem ich auch nach vier Jahren noch jeden Tag etwas Neues lernen kann.

Was inspiriert dich?

Das Leben. Denn man nie weiß, welche Möglichkeiten und Geschichten hinter der nächsten Ecke auf einen warten. Ich versuche deshalb mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und bin immer auf der Suche nach neuen Eindrücken, weshalb ich auch leidenschaftlich gerne reise. Am liebsten mit Rucksack und ohne Reiseplan. Dann erlebt man die spannendsten Abenteuer.

Was ist positiv an deinem Job?

Dass kein Tag wie der andere ist. Mein Job ist es, Mobilitätsprojekte mit Partnern aus der Wissenschaft, der Wirtschaft und der Politik vorzubereiten, durchzuführen und emissionsfreie Antriebstechnologien in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Ich arbeite in einem sehr innovativen Umfeld und viele unserer Ideen und Projektstrukturen entstehen „auf der grünen Wiese“, das heißt, dass es kaum standardisierte Abläufe gibt, an denen wir uns orientieren können. Gerade diese Freiheit bietet viel Platz für kreative Lösungen. Und natürlich reizt es mich auch sehr, ein Zukunftsthema zu entwickeln und mich heute schon mit Fragestellungen der Mobilität von morgen zu beschäftigen.

Und was negativ?

Dass viele Abstimmungsprozesse doch sehr zäh sein können und guten Ideen damit schnell die Luft ausgeht. Man braucht oft einen langen Atem und viel Geduld. Insgesamt bin ich aber sehr zufrieden und schätze es, neue Entwicklungen im Mobilitätsbereich hautnah begleiten zu dürfen.

Würdest du den Job weiterempfehlen?

Uneingeschränkt. Allerdings muss man sich bewusst sein, dass so eine Schnittstellenfunktion schon sehr zeit- und arbeitsintensiv sein kann. Man sollte bereit sein, engagiert und ohne Blick auf die Uhr an die Sache heranzugehen.

Was sind deine drei wichtigen Worktools?

Mein Telefon, mein PC und meine Wärmflasche. Ohne die ersten beiden läuft in meinem Job nichts, da sich bei mir (fast) alles um Kommunikation und Information dreht. Denn als Schnittstelle zwischen den verschiedenen Projektpartnern laufen bei hySOLUTIONS alle Fäden zusammen. Meine Wärmflasche sorgt dabei für die nötige Entspannung in stressigen Situationen, gerne ergänzt durch die obligatorische Tasse Tee. So bewahre ich mir auch in hitzigen Momenten die nötige Ruhe und den Überblick.

Was rätst du Neueinsteigern?

Seid neugierig und ergreift die Chancen, die euch bieten. Gerade Frauen schrecken oft vor Jobs im Technologiebereich zurück, dabei sind Mediation und Kommunikation wichtige Fähigkeiten, die viele Frauen mitbringen und die gerade in diesem Umfeld sehr gefragt sind. Traut euch und seid mutig, es lohnt sich!

Wie schätzt du die Zukunft deines Berufsfeldes ein?

Als Projektmanager ist man fast überall einsetzbar und der Bereich der alternativen Antriebstechnologien bietet so viele Möglichkeiten, dass ich die künftigen Jobchancen als sehr positiv bewerte.

Was möchtest du noch erreichen?

Ich finde es interessant zu beobachten, wie einen die unterschiedlichen Aufgaben und Jobs fordern und formen und dieser Prozess ist definitiv noch lange nicht abgeschlossen. Gerade habe ich die Projektleitung für zwei Großprojekte übernommen und diese möchte ich auch zu einem guten Abschluss bringen.

Welchen Ausgleich gönnst du dir?

Mein Ausgleich ist das Reisen und deshalb versuche ich mir so oft es geht Zeit dafür zu nehmen. Sonst bin ich etwas sprunghaft, was meine Hobbies angeht, da ich ständig neue Impulse brauche und es mir mit Routine schnell langweilig wird. Gerade fasziniert mich Urban Sketching, also das Skizzieren von Stadtszenen mit ein paar wenigen Strichen. Dafür bietet meine Wahlheimat Hamburg eindeutig die ideale Kulisse.

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Steckbrief:

Geschlecht: weiblich

Alter: 34

Wohnort: Hamburg, Deutschland

Beruf: Projektmanagerin

Branche: Transport und Verkehr

Arbeitsstunden pro Tag: 8,5

Pausen pro Tag (in Stunden): 0,5

Arbeitstage pro Woche: 5

Status: Angestellt

Kontakt:

kathrin.gisdon@hysolutions-hamburg.de

 

Katrin Haase