Im Interview: Pia Norberg, Maskenbildnerin

Pia Norberg beherrscht die Kunst, Gesichter mithilfe von Farben und Formen vollkommen zu verändern, ihnen ein gänzlich neues Antlitz zu geben. Die selbstständige Hamburger Maskenbildnerin haben wir einen Tag lang begleitet und spannende Einblicke in das Handwerk zwischen Puderdosen, Perücken und Psychologie erhascht.
Pia in der Elbphilharmonie

Pia

 

07:30 Pia Norberg beginnt ihren Arbeitstag zu Hause. An ihrem Arbeitstisch klappt sie den Laptop auf, checkt und schreibt erste Mails und trinkt dabei einen Tee. Heute tauscht sie sich per Mail mit Dirk Zilken, dem Kostümbildner der Karl-May-Spiele in Bad Segeberg aus, mit dem gemeinsam sie bereits seit zwölf Jahren nicht nur bei diesen Festspielen für die Maske und Kostüme verantwortlich ist. Beide müssen Hand in Hand gut zusammenarbeiten, damit ein stimmiges Bild für den Zuschauer der Freilichtspiele entsteht. Dabei stimmt sie ihre Maskenideen auf seine Kostümentwürfe ab und diskutiert neue Ideen mit dem Kostümbildner.

 

Perücke

08:30 Eine steile Holztreppe geht es eine Etage hinab zum Atelier, das direkt mit ihrer Wohnung verbunden ist. Dort widmet sie sich nun einer Winnetou-Perücke, die sie aus Echthaar selbst knüpft. Dabei achtet sie darauf, dass nicht nur eine, sondern verschiedene Haarfarben in Strähnen enthalten sind, denn so sei es auch bei natürlichem Haar. Würde man nur eine Farbe verwenden, entstünde schnell ein unechter, künstlicher Eindruck. Pia knüpfte diese Perücke bereits vor zwei Jahren, doch nun ist es Zeit, Abnutzungserscheinungen auszubessern und sie mit Echthaar wieder aufzufüllen. Dafür knüpft sie einzelne Haare am Scheitel ein und zieht jedes Haar einzeln mithilfe einer Knüpfnadel durch die Tüllwabe. Danach wird die Perücke von ihr gewaschen und mit einem Glätteisen frisiert. Danach verstaut sie die Perücke in einer luftdichten Kiste in ihrem Perückenraum, in dem viele ihrer handgemachten Schätze lagern.

 

Design

 

10:30 Nun steht für eine neue Show ein Make-Up-Test an. Dafür breitet sie auf dem Tisch vor dem großen Spiegel die Figurinen und Farben aus, die sie dafür verwenden möchte.

 

 

 

 

Pia schminkt


11:30
Pias Lieblings-Modell Sebbo trifft im Atelier ein. Nach einem kurzen Plausch legt Pia los und beginnt, die Figurinen-Skizzen auf Sebbos Gesicht zu übertragen. Schritt für Schritt kann ich beobachten, wie er sich in ein Wesen für eine neu geplante Show verwandelt und völlig neue Charakterzüge und Eigenschaften ins Gesicht gemalt bekommt. Aus einem weichen Kinn wird ein kantiges, aus einem netten Blick ein stechender. Für Pia ist es heute wichtig, zu sehen, ob die gezeichnete Idee auch auf einem echten Gesicht wirkt. „Die Looks müssen auf jedem Gesicht funktionieren, dann sind sie gut“, verrät sie. Oftmals können solche Tests einen gesamten Tag lang dauern, heute nimmt sie sich dafür drei Stunden Zeit.

 

Suppe

 

14:30 Dann ist endlich Mittagspause, die sie eine Etage höher in ihrer Küche mit einer Gemüsesuppe verbringt.

 

 

 

make-up15:00 Nach dem Essen packt Pia ihren Make-Up- und Haar-Koffer sowie den Maskenspiegel für den Abend. Sie packt aus, was sie heute nicht brauchen wird und ein, was heute nötig ist. „Manchmal entwickelt man einen siebten Sinn für Sachen, die man dabei haben muss“, erklärt sie ihre Auswahl. Denn oftmals benötigt sie Dinge, mit denen vorher niemand rechnen konnte, und doch sind diese Dinge oftmals zur rechten Zeit in ihrem Köfferchen.

 

 

 

 

elphi15:30 Pia macht sich auf zur Elbphilharmonie. Der Weg ist ihr noch neu und es gibt noch keine Routine, daher nimmt sie sich dafür länger Zeit. „Den Start eines solchen Konzerthauses mitzuerleben, ist sehr faszinierend“, erzählt sie: „Die Musiker sind alle noch sehr aufgeregt.“

16:30 Der Weg vom Parkhaus der Elbphilharmonie zum Bühneneingang ist weit, daher ist sie froh über ihre Rollsysteme an den Koffern. Mindestens eine Stunde vor dem Konzertbeginn möchte sie vor Ort in der Maske sein und die Künstlerin schminken und frisieren. Auch Psychologie ist in ihrem Beruf wichtig, denn bei der Maske übertritt man automatisch den natürlichen Schutzraum eines Menschen und kommt sich gleich sehr nah. „Da sollte man gut kommunizieren können und Menschenkenntnis haben.“

 

Pia

16:45 Pia richtet sich in der Künstlergarderobe ein und begrüßt die Künstler. Heute ist der große Eröffnungstag der Orgel. Um Ruhe auszustrahlen, wenn alle anderen aufgeregt sind, kommt sie extra zeitig. Heute wird Pia die lettische Organistin Iveta Apkalna schminken und frisieren. Einmal vorher konnten sich beide bereits kennenlernen. Das sei Pia wichtig: „Ich will immer vorher wissen, mit wem ich es zu tun habe.“ Wichtig sei heute ein Beauty-Make-Up und eine besonders schöne Frisur, da viel fotografiert werde.

19:00 Die Organistin betritt die Bühne und spielt das Konzert. In der Pause wird Pia das Make-Up noch einmal kurz auffrischen, bevor Iveta 20 Uhr ein weiteres Mal den Konzertsaal betritt. Bis zum abendlichen Empfang, der nach dem Konzert beginnt, wird Pia die Organistin unauffällig begleiten und zur Stelle sein, wenn sie gebraucht wird. Zwischendurch findet sie in der Garderobe Gelegenheit, einen Happen zu essen. Nach dem Empfang packt Pia ein und fährt nach Hause.

Bücher

 

00:00 Zu Hause angekommen, lässt sie den Tag Revue passieren und freut sich auf ein wenig Ruhe.

 

 

 

 

 

Pia Norberg hat ihr Hobby zum Beruf gemacht. Die selbstständige Maskenbildnerin aus Heidelberg hat über Praktika, Ausbildungen und verschiedene Arbeitserfahrungen ihren Weg zur eigenen Marke Pia Norberg maskdesign gefunden. Sie wird gern gebucht und übernimmt dabei des Öfteren die Maskenleitung eines Teams. Dafür muss sie neuste Produkte besorgen und ein eigenes Team an weiteren Maskenbildnern zusammenstellen. Seit mehr als einer Dekade ist Pia verantwortlich für die Maske der Karl-May-Spiele, aber auch Musicals, Theater, Konzert-und Festivalhäuser, Shows und Entertainment sowie Werbung im Film und Foto gehören zu ihren Arbeitsgebieten. Wie Pia zu ihrem Job fand und ob sie ihn empfehlen kann, erzählt sie im Interview.

Wie kamst du zu deinem Job?

In meinem letzten Kindergartenjahr durfte ich eine Malschule besuchen. Dort haben wir viel mit Ton, Gips und Farben gearbeitet. Da war ich gleich Feuer und Flamme und habe dann bei jeder Gelegenheit den Pinsel geschwungen, da mussten auch mal meine Brüder dran glauben. Von da an war klar, dass ich unbedingt einen künstlerischen Beruf ausüben möchte. Über ein Schulpraktikum bei einer Modedesignerin habe ich mehr über den Beruf der Maskenbildnerin erfahren und dann ging die Reise auch schon los. Angefangen im Alter von 17 Jahren in Hamburg beim Figaro Gerd Meyer, wieder gen Süden zu den Salzburgen Festspielen, zurück in den hohen Norden zu Cats & Co, wo ich dann auch meine maskenbildnerische Ausbildung an der Hamburger Staatsoper absolvierte und mehrere Jahre tätig war, bevor ich mich dann mit Pia Norberg maskdesign selbstständig gemacht habe.

Was inspiriert dich?

Kunst und Kultur in allen Formen.

Was ist positiv an deinem Job?

Die Vielseitigkeit und die enge Zusammenarbeit mit so vielen unterschiedlichen und interessanten Menschen aus diversen Branchen.

Und was negativ?

Manchmal die Arbeitszeiten… in der Regel kommt die Maske zuerst und geht zuletzt.

Würdest du den Job weiterempfehlen?

Ja! Aber oft werde ich auch von jungen Mädchen angesprochen, die ein etwas zu geschöntes Bild von meinem Beruf haben. Da bedarf es manchmal einer kleinen Aufklärung.

Was sind deine drei wichtigsten Worktools?

Meine Hände, Flexibilität und Kreativität.

Was rätst du Neueinsteigern?

Immer neugierig bleiben, das Handwerk des Maskenbildners von der Pike auf erlernen, dann versuchen, so viele verschiedene Bereiche wie möglich zu durchqueren, viel assistieren und immer ganz wichtig, viel testen und erproben… Probieren geht über studieren!

Wie schätzt du die Zukunft deines Berufsfeldes ein?

Sehr gut, aber man muss sich ständig mit dem Markt weiterentwickeln und die Technik, Produkte, Materialien und Trends verfolgen und sich aneignen.

Was möchtest du noch erreichen?

Ich möchte einfach glücklich bleiben.

Welchen Ausgleich gönnst du dir?

Ich gönne mir Poweryoga, Langstreckenläufe und möglichst viel Zeit mit meinem Partner und der Familie zu verbringen.

 

Pia

Steckbrief:

Geschlecht: weiblich

Alter: 39 Jahre

Wohnort: Deutschland, Hamburg

Beruf: Maskenbildnerin

Branche: Theater, Show-Entertainment, Werbung

Arbeitsstunden pro Tag: variiert 4 -16 Std.

Pausen pro Tag (in Stunden): Wenn’s passt

Arbeitstage pro Woche: variiert, je nach Projekt

Status: Profi, Selbstständig

Kontakt:

Schreib Pia eine Email

Pias Homepage 

Pia bei XING

 

 

Interview und Fotografie: Katrin Haase