Kira: Teilzeit – Das Arbeitsmodell der Zukunft?!

KiraKira ist Anwältin in einer großen Wirtschaftskanzlei und beschäftigt sich ausschließlich mit Arbeitsrecht. Dafür aber mit allen rechtlichen Facetten, die der Arbeitsalltag so hergibt. 

Lange war Teilzeit nur etwas für (Haus-)Frauen, die sich um Kind und Haushalt kümmern wollten oder mussten. Doch heutzutage arbeiten immer mehr Menschen auch aus vielen anderen Gründen in Teilzeit. Denn bei vielen von uns nimmt die Arbeit einen immer größeren Stellenwert und vor allem immer mehr Zeit in Anspruch. Viele private Interessen bleiben dabei auf der Strecke. Aber auch Familie und Freunde kommen bei einer 40-Stunden-Woche meist zu kurz. Kein Wunder also, dass immer mehr Arbeitnehmer in Betracht ziehen, auf einen Teil ihres Gehalts zu verzichten, um die gewonnene Freizeit anderweitig zu nutzen. Auch wenn der Trend sich nicht auf Frauen beschränkt, ist es doch immer noch das weibliche Geschlecht, das meist in Teilzeit arbeitet. Bereits 2015 waren laut Statistischem Bundesamt fast die Hälfte (48 Prozent) der erwerbstätigen Frauen in Deutschland in einer Teilzeitbeschäftigung tätig.

Die Voraussetzungen und Regelungen, unter denen ein Arbeitnehmer in Teilzeit arbeiten kann, sind weitgehend gesetzlich definiert. Darüber hinaus können selbstverständlich individuelle Vereinbarungen mit dem Arbeitgeber gefunden werden. Denkbar sind zudem Betriebsvereinbarungen oder auch Tarifverträge, die sich mit dem Thema befassen und einen Rahmen für verschiedene Regelungen vorgeben.

Gesetzliche Spielregeln für die Inanspruchnahme von Teilzeit

OfficeDamit ihr einen Überblick bekommt, wann ein Anspruch auf Teilzeit besteht, möchte ich euch nachfolgend einen ersten kurzen Überblick geben, in welchen Situationen Teilzeit in Frage kommt. Da bei juristischen Fragen aber grundsätzlich das Motto „Es kommt drauf an“ gilt, ist in jedem Einzelfall zu prüfen, ob ihr einen entsprechenden Anspruch habt oder nicht.

Grundsätzlich hat jeder Arbeitnehmer in Deutschland einen gesetzlichen Anspruch, in Teilzeit zu arbeiten – und zwar nicht nur während der Elternzeit. Das Gesetz selbst sagt sogar, dass jeder Arbeitgeber Teilzeitarbeit fördern und ermöglichen muss. Damit der Anspruch besteht, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein: Das Arbeitsverhältnis muss bereits mindestens sechs Monate bestehen und der Arbeitgeber muss in der Regel mehr als 15 Arbeitnehmer in seinem Betrieb beschäftigen, wobei Auszubildende nicht mitzählen (§ 8 Teilzeit- und Befristungsgesetz). Liegen diese Voraussetzungen vor, so muss der Arbeitgeber der Teilzeitbeschäftigung grundsätzlich zustimmen. Eine Ablehnung darf nur im Ausnahmefall erfolgen, wenn dem Teilzeitbegehren betriebliche Gründe entgegenstehen oder in einem Tarifvertrag besondere Ablehnungsgründe geregelt sind.

Neben dem allgemeinen Teilzeitanspruch sieht das Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz in § 15 einen besonderen Anspruch auf Teilzeitarbeit für Mitarbeiter in Elternzeit vor. Wie bei dem „normalen“ Teilzeitanspruch muss das Arbeitsverhältnis mindestens sechs Monate bestehen und der Arbeitgeber muss mindestens 15 Arbeitnehmer beschäftigen. Um den Anspruch eines in Elternzeit befindlichen Arbeitnehmers ablehnen zu können, muss der Arbeitgeber dem „dringende“ betriebliche Gründe entgegen halten. Die Anforderungen, damit ein vom Arbeitgeber vorgebrachter Grund als dringend, d.h. besonders wichtig anerkannt wird, sind sehr hoch, so dass es in aller Regel sehr schwierig sein wird, dem Teilzeitverlangen eines in Elternzeit befindlichen Mitarbeiters etwas entgegen zu halten.

Auch das Pflegezeitgesetz sieht in § 3 einen Anspruch auf Reduzierung der Arbeitszeit vor, wenn sich ein Arbeitnehmer um einen erkrankten nahen Angehörigen kümmern möchte. Wie bei den anderen beiden bereits beschriebenen Teilzeitansprüchen müssen hier bestimmte Voraussetzungen vorliegen.

Die gängigsten Teilzeit-Modelle

pocket-watchesIst eine Beschäftigung in Teilzeit dem Grunde nach möglich, so fragt man sich, wie eine solche im Einzelfall aussehen kann. Die Möglichkeiten und Formen für Teilzeit sind dabei vielfältig: Am gängigsten ist wohl eine stundenweise Reduzierung der täglichen Arbeitszeit. So wird die 40-Stunden-Woche z.B. auf eine 30- oder auch 20-Stunden-Woche reduziert. Nicht unüblich ist es aber auch, die wöchentliche Arbeitszeit auf eine bestimmte Anzahl von Tagen zu verteilen. So bleiben die Tage, an denen gearbeitet wird, zwar unverändert lang. Allerdings hat der Arbeitnehmer ganze Tage frei, um diese anderweitig zu nutzen. Aufgrund der verschiedenen Möglichkeiten lassen sich individuell angepasste Lösungen finden, eine Beschäftigung in Teilzeit zu gestalten. Teilweise beschränkt das Gesetz aber auch die Gestaltungsmöglichkeiten. So darf ein Arbeitnehmer in Elternzeit maximal 30 Stunden in der Woche in arbeiten.

Zu beachten ist aber in jedem Fall, dass der Arbeitnehmer seinen Wunsch bzgl. der Verringerung der Arbeitszeit in den jeweils durch das Gesetz vorgeschriebenen Fristen, d.h. mit einer ausreichenden Ankündigungsfrist geltend machen muss.

Keine Diskriminierung von Teilzeitmitarbeitern

Oftmals übersehen wird, dass ein Mitarbeiter in Teilzeit nicht anders behandelt werden darf als ein Mitarbeiter, der Vollzeit arbeitet – jedenfalls nicht, wenn es hierfür keinen sachlichen Grund gibt. Dies gilt insbesondere für die sog. „Mini-Jobber“, d.h. Mitarbeiter, die auf 450-Euro-Basis arbeiten. Denn ein Mini-Job ist – neben gewissen Abweichungen bzgl. der Sozialversicherung und der Steuer – arbeitsrechtlich nichts anderes als ein Teilzeitarbeitsverhältnis. In Teilzeit beschäftigte Arbeitnehmer müssen daher neben dem selben Stundenlohn grundsätzlich auch alle Gratifikationen – wie Weihnachts- und Urlaubsgeld – anteilig erhalten.

Nachteile einer Teilzeitbeschäftigung

Wer jetzt denkt: „Das probiere ich direkt mal aus“, sollte sich den Schritt in die Teilzeit jedoch gut überlegen, denn es gibt derzeit keinen juristischen Anspruch darauf, wieder in die Vollzeitbeschäftigung zurückzukehren (es sei denn, es handelt sich um Teilzeit in der Eltern- oder Pflegezeit). Insofern wird hier auch gern von der sog. „Teilzeitfalle“ gesprochen. Nur wenn vermehrt Bedarf im Unternehmen besteht, es also um die Besetzung einer freien Vollzeitstelle geht, hat der Arbeitgeber den teilzeitbeschäftigen Arbeitnehmer bevorzugt zu berücksichtigen, wenn dieser entsprechend für die Stelle geeignet ist. Doch auch dann kann der Arbeitgeber das Verlangen immer noch aus dringenden betrieblichen Gründen oder aufgrund der Arbeitszeitwünsche anderer teilzeitbeschäftigter Arbeitnehmer zurückweisen. Der Weg zurück in die Vollzeitbeschäftigung ist deshalb oft schwierig und vor allem nicht planbar.

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Außerdem muss beachtet werden, dass bei der Arbeit in Teilzeit neben dem geringeren Einkommen auch die soziale Absicherung nicht in dem Maße gegeben ist wie bei einer Vollzeitbeschäftigung. So werden gerade durch das geringere Einkommen z.B. auch die zukünftigen Rentenansprüche geschmälert. Bei weniger als 20 Stunden kann sich dies langfristig bemerkbar machen.

Es sei also – trotz der vielen Vorteile – gut überlegt, ob und auf welcher Basis eine Beschäftigung in Teilzeit in Betracht kommt. Wie so oft im Leben ist das eine der vielen Fragen, die jeder von uns nur für sich selbst beantworten kann.