Pernille Behnke: What life is all about

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Pernille Behnke: Nach der obligatorischen Ausbildung („Kind, mach was Ordentliches“) kam der Herzensjob. Pernille ist heute Coach und berichtet von ihrem Weg dorthin – und auch, warum Personaler heute oftmals einem „krummen“ Lebenslauf den Vorzug geben.

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Als ich das Thema des Newsletters erfuhr, war mein erster Gedanke sofort, dass da jemand genau mein persönliches Thema getroffen hat. Denn ich habe schon einige Job- und Branchenwechsel hingelegt. Viele haben es als mutig bezeichnet, immer wieder einen Neuanfang zu wagen. Ich habe das immer als unausweichlich angesehen, weil ich nicht mehr glücklich in meiner alten Situation war und wusste, dass ich so nicht weitermachen wollte.

Dabei gehöre ich zu einer Generation, in der von den Eltern stark vermittelt wurde, dass man nach Beendigung der Schulzeit etwas ‚Ordentliches‘ machen sollte. In meiner Elterngeneration ging es nie um Erfüllung, Freude oder gar Spaß im Berufsleben. Das ist eine recht junge Erscheinung und macht es aber – wie ich an meinen Teenagerkindern sehen kann – auch nicht unbedingt leichter, sich für einen Weg zu entscheiden.

Die Haltung ‚ich arbeite, um zu leben‘ ist längst überholt. Galt in der Nachkriegsgeneration noch, dass man die lästigen täglichen Arbeitsstunden abreißen musste, um sich dadurch zumindest einen erfüllenden Feierabend zu ermöglichen, soll der Arbeitsalltag heute als befriedigend und sinnvoll empfunden werden.

Ich habe versucht, meinen Kindern zu vermitteln, dass sie beruflich später machen sollen, wofür sie brennen. Weil ich der Auffassung bin – aus leidiger eigener Erfahrung – dass man nur dann richtig gut ist und sich der Erfolg früher oder später einstellt, wenn man etwas mit dem Herzen tut! Das mögen einige naiv finden. Auch heute gibt es junge Menschen, die das Ziel haben, viel Geld zu verdienen und sich entsprechend ihre Berufslaufbahn aussuchen. Ob das glücklich macht? Ich glaube nicht. Zu oft kommen Klienten in meine Praxis, denen der Lebenssinn oder das Glück auf ihrem Weg abhanden gekommen ist, weil sie ihre Prioritäten falsch gesetzt haben.

handIch fand nach einer ungewollten klassischen Bankausbildung erst spät im Leben heraus, was mich wirklich erfüllt und wie ich das beruflich nutzen kann. Auch meine eigentlichen Stärken kamen mehr zufällig in einem Ehrenamt zum Vorschein, was ich zum Anlass nahm, noch einmal ganz neu zu lernen und einen völlig neuen Weg als Coach einzuschlagen. Man muss einiges ausprobieren, um vielleicht sogar zufällig auf sein größtes – bisher verborgen gebliebenes Talent – zu stoßen. Es gibt häufig nicht mehr den klassischen geradlinigen Berufsweg, bei dem man ein Fach studiert oder eine Ausbildung absolviert und dann das restliche Leben in diesem Beruf verweilt. Die Berufs- und Lebenswege sind heute multigrafisch und beinhalten ‚Brüche‘ und Wechsel.

Mittlerweile finden aber auch viele Personaler Menschen mit nicht gradlinigen Berufswegen interessant, da diese zeigen, dass sie flexibel sind, anpassungsfähig, mutig und sich in neuen Situationen zurecht finden können. Dies sind Eigenschaften, die immer mehr in modernen Unternehmen zum Tragen kommen und gern gesehen sind.

Also nur Mut zu einem Neuanfang – das wusste schon Henry Ford: „Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist.“

Pernilles Homepage findest Du hier.