Street Philosophy: New Economy. New Life?

Julia und NinaNina Schmid ist Gründerin von Street Philosophy und Architektin. Sie beleuchtet für die ALSTERLOGE regelmäßig Themen, die uns bewegen. Besonders toll: Nina macht seit 2014 gemeinsame Sache mit ihrer Mutter Julia, die seitdem auch mit Herz und Seele am Wachstum von Street Philosophy beteiligt ist und diesen Text verfasst hat.  Ihre Lebens-Maxime fassen sie mit einem Zitat des Benediktiner-Mönchs David Steinöl-Rast zusammen: Es sind nur drei Worte: „STOP. LOOK. GO.“ Nina und Julia stehen für das „Innehalten und Wahrnehmen, vor allem in einer Zeit, in der sonst meist nur das GO im Vordergrund steht.“ Wir freuen uns sehr darauf, mehr von Euch zu lesen!

New Economy. New Life?

Die Verbreitung des Internets hat zu unglaublichen Umwälzungen geführt. Es hat ein nicht vorhersehbarer Wandel im Kommunikationsverhalten und in vielen Wirtschaftsbereichen stattgefunden. Die Entwicklung durch das World Wide Web wird in vielen Bereichen oft mit der Erfindung des Buchdrucks gleichgesetzt.

So ist es auch mit dem neuen Gesicht der alten Handelswege. Viele Aspekte des geschäftlichen Miteinanders sind einfacher (obwohl umfassender), kostengünstiger (obwohl viel größer in der Reichweite), effizienter (obwohl risikoreicher), geworden.

Auch kleinere und mittlere Unternehmen haben größere Chancen durch Netzwerkstrategien und die Großen schwimmen sowieso vorne weg. Wir sind ein Teil dieses neuen Handelsgebarens, schon allein durch unser Kaufverhalten. Praktisch und verführerisch zu gleich, erledigen wir fast alles vom Bildschirm weg, sei dies am Arbeitsplatz oder über unsere mobilen Geräte schnell zwischendurch. Wir erleben durch E-Commerce eine Globalisierung, die man so nicht benennt, und über die niemand zu klagen scheint: „World Wide Buying Power at your fingertips“. (Für die Wirtschaft entsprechend „Selling Power“.)

Am E-Commerce ist nichts auszusetzen, wenn sichergestellt wird, dass die Unternehmen ethisch handeln, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes; ethisch ihren Mitarbeitern gegenüber, ethisch in der Produktion, ethisch dem Kunden gegenüber. Wir werden E-Commerce weder abschaffen noch ersetzen können oder wollen, doch wir sollten uns dessen bewusst werden, dass wir auch so manche wichtigen Aspekte des Miteinanders verlieren, vielleicht unwiederbringlich. Den ehrbaren Kaufmann gibt es sicher auch im Netz mannigfaltig – wir lernen ihn allerdings nicht mehr persönlich kennen. Beschwerden und Lob übermitteln wir nicht mehr persönlich, sondern schicken diese in den „Äther“, mit zum Teil unglaublicher Macht – sowohl im positiven wie im negativen.

Wir leben im Informationszeitalter. Information scheint (neben Zeit) unser höchstes Gut zu werden. Das ist eine Chance aber auch eine Verantwortung. Wir haben die Möglichkeit uns über alles zu informieren, auch im E-Commerce Bereich. Wir können unsere Chancen nutzen, als Konsumenten und auch als Unternehmen, sollten aber gleichzeitig einen verantwortungsvollen Zugang zum ‚Commerce‘ im Allgemeinen und vor allem zu unserem eigenen Handeln und dadurch zu unserer eigenen Haltung finden.

Julia Kalmund von Street Philosophy