KarenKarens Job ist die tägliche Beratung von Fach- und Führungskräfte zu personalrelevanten Prozessen und Steuerung der operativen Umsetzung –kurz, sie ist HR Business Partner bei einem großen Konzern in Hamburg. Für uns beschäftigt sich Karen heute mit dem Thema Unternehmenskultur.

„Warum wollen Sie bei uns arbeiten?“ – eine klassische Interviewfrage. Die Antwort bezieht sich häufig auf die sogenannte Unternehmenskultur, die zwar selten bereits erlebt wurde – aber trotzdem hochgelobt wird… man hat schließlich davon gehört.

Aber was und vom wem hat man etwas gehört? „Meine Freundin, die in einem Monat aus der Elternzeit zurückkehren wird, hat erzählt, dass sie eine Führungsrolle in Teilzeit angeboten bekommen hat – das ist doch eine klasse Kultur.“ Ja, die Lobeshymen beziehen sich stets auf unterschiedliche Aspekte, denn jeder filtert und priorisiert anders – eine Kultur lässt sich nun einmal nicht objektiv beschreiben, vielmehr subjektiv empfinden.

Allgemein lässt sich aber festhalten, dass man sich der Antwort auf die Frage nach dem Unternehmensfit nähern kann… und zwar durch das genauere Hinschauen z.B. auf die Entscheidungswege, das Führungskonstrukt, das Beziehungsgeflecht, die unternehmerische Sprache (und damit ist nicht gemeint, ob man deutsch oder englisch spricht) und die Kommunikationswege. Jede Aktivität ist in einem gewissen Maße kulturell gelenkt und gestaltet gleichzeitig wiederum die Kultur.

Das hört sich bisher wenig konkret und greifbar an. Um genau dieser Situation einen gewissen Rahmen zu geben und Transparenz nach außen zu ermöglichen, haben viele Unternehmen Werte definiert, die die Verhaltensweisen leiten (sollten). Durch das Hervorheben von Role-Models, die die besagt gewünschte Unternehmenskultur bereits leben, wird „sie“ spürbarer. Schaut man sich dann noch die Vision und Strategie des Unternehmens an, so ist eine grobe Richtgröße für die Entscheidung, ob ein Unternehmensfit besteht oder nicht, in die Nähe gerückt – das Erleben entscheidet letztendlich.

Einige Unternehmen beschäftigen eigene Feelgood Manager, denn es ist längst angekommen, dass das „good feelen“ im Unternehmen und Team der große Motivator ist, den täglichen Arbeitsweg auf sich zu nehmen und engagiert den Tag zu gestalten. Doch was jeder Einzelne für dieses Gefühl braucht und wie sich der Weg in diese Richtung gestaltet, das ist wiederum – oh Wunder – sehr individuell. Da kann ein einzelner Feelgood Manager auch kein Garant sein, das Arbeiten in einer für sich passenden Unternehmenskultur ist jedoch schon einmal ein fruchtbarer Boden.
Wenn ihr mich persönlich fragt, ob es mich motivieren würde mit meinem Team einen Erfolg auf Ibiza zu feiern – dann wäre meine Antwort ein lautes JA. Fragt ihr eine Kollegin von mir, dann bin ich sicher, dass sie zögerlich auf den netten Italiener um die Ecke verweisen würde. Und doch fühlen wir uns beide in der Kultur unseres Unternehmens wohl.

Wir sind alle unterschiedlich, haben individuelle Bedürfnisse und sollten unsere eigenen Feelgood Manager sein (wie war das? Ach ja: Man muss sich schon selber Glitzer in sein Leben streuen) – bedeutet: Ohne Kompromisse geht es nicht, aber wenn „es“ sich grundsätzlich nicht gut anfühlt, dann lasst „es“. Allein könnt ihr keine Unternehmenskultur verändern, doch sie könnte euch verändern.